|
Viele von euch kennen wahrscheinlich den Hundesport Agility, sei es von der Hundeschule, aus dem Internet oder auch von meinen bisherigen Berichten. Vielleicht wissen auch einige von euch, dass es auch Turniere in ganz Österreich gibt, von kleinen Prüfungen, Funturnieren, Winterhallencups, bis hin zu großen Turnieren wie Staatsmeisterschaft, Europameisterschaft, Weltmeisterschaft. Mit meinen beiden Pinschern bin ich immer fleißig auf Turnieren in ganz Österreich unterwegs, mit Cleo vom Bogenhof nahm ich 7 Jahre an Turnieren teil – mittlerweile ist sie mit 12 Jahren schon seit längerem in Pension. Mit Ayla vom Stadtgutteich nehme ich laufend an Turnieren teil – heuer waren es an die 20 Turniere, wo wir meist erfolgreich heimfahren konnten. Seit 3 Jahren nehme ich auch an den Qualifikationsläufen für die jährliche Weltmeisterschaft teil. 2007 verfehlte ich den Startplatz um einen Rang, heuer ging jedoch mein größter Traum in Erfüllung und ich schaffte die Qualifikation ins Österreichische WM-Team.
Um ins Team zu gelangen, mussten wir zwei Qualifikationswochenenden erfolgreich bestehen. Im Mai stand es dann endgültig fest, dass ich mit Ayla das österreichische Medium-Team mit 2 weiteren Österreichern vertreten durfte. Die Freude war groß! Die Weltmeisterschaft fand dann heuer das erste mal in Österreich statt – vom 18. - 20. September in Dornbirn. Eine gewisse Unsicherheit kam jedoch einige Tage vor der WM auf. Ich erhielt 4 Tage vor der Weltmeisterschaft einen Anruf meines Mannschaftsführers mit der Nachricht, dass mein Startplatz nicht ganz fix wäre. Da der FCI kurzerhand beschlossen hat, dass Rassehunde mit Registerpapieren nicht daran teilnehmen dürfen. Die Begründung dazu war, dass es auch in anderen Hundesportarten bereits im Reglement festgelegt ist, dass Registerhunde nicht an solchen Großveranstaltungen teilnehmen dürfen (wobei dies im Agilityreglement noch nicht definiert ist). Ob ich nun starten konnte oder nicht, entschied sich dann erst am Vorabend der WM! Wobei wir alle mit dem Gedanken nach Vorarlberg fuhren, dass alle 3 betroffenen Hundeführer für Österreich starten durften. Die Anreise war bereits am Mittwoch, um uns etwas zu akklimatisieren. Wir hatten ein wunderschönes Hotel nur wenige Kilometer vom Messegelände entfernt, das vom Austrian Agilityfanclub für alle österr. Starter und Fans organisiert wurde. Mittwochabend gabs dann ein kurzes Beisammensitzen der österr. Starter, da wir doch aus allen Teilen Österreichs kamen. Hier erhielt ich die freudige Nachricht, dass Ayla und die 2 anderen Registerhunde starten dürfen, da es viele Nationen treffen würde und so die Neu-Organisation zu schwierig wäre. Ob nun das Agilityreglement in nächster Zeit angepasst wird, sei in den Raum gestellt. Donnerstags hieß es dann um 5.30 Uhr aus den Federn, denn um 7 Uhr waren wir bereits in der Veranstaltungshalle, um die Tierarztkontrolle durchführen zu lassen. Erstes Aufatmen meinerseits, als Ayla fertig untersucht war und keine Einsprüche erhoben wurden. Dann gings gleich weiter zum Training. 3 kurze Sequenzen waren aufgestellt, an denen jeder Starter nach Nationen geordnet, laufen konnte. Der Rasenteppich war einfach genial zu laufen, da man als Hundeführer super laufen konnte und der Hund doch viel Gripp wie auf einer Wiese hatte und so kaum ins Rutschen kam. Anschließend gabs noch kurzes Fotoshooting mit dem ganzen Team und eine Besprechung der kommenden Tage.
Die Weltmeisterschaft begann am Freitag in der Früh mit einer Eröffnungsfeier – alle 34 Nationen zogen mit Fahnen und einheitlichem Länder-Outfit in die Halle ein. Bei ca. 5000 Fans war das ein unbeschreibliches Gefühl. Ein ORF-Reporter meinte, es herrsche eine bessere, aufgeheiztere Stimmung als bei einem Eishockeyspiel ;-) Zum Laufen kam ich mit meiner Mannschaft gegen Mittag an die Reihe. Vor dem Start hatte man 6 Minuten Zeit, sich den gestellten Parcour ohne Hund durchzugehen. Die paar Minuten reichen mit etwas Routine aus, um sich den Parcour einzuprägen. Unsere Mannschaft kam im Jumping als 3.Mannschaft an die Reihe. Es war ein unglaubliches Feeling vor den Zuschauern zu stehen und zu warten bis man an die Reihe kam. Ich kam von unserer Mannschaft als zweite dran, mein Vorarlberger Mannschaftskollege Walter Meyer legte mit seinem Sheltie einen Nullfehler-Lauf vor. Ayla war hochmotiviert, leider hat sie aus unerklärlichen Gründen den Slalom etwas früher beendet und so kassierten wir einen Fehler. Dann lief es aber wie am Schnürchen. Es war einfach nur ein super Gefühl, wenn man bei den letzten Geräten die Zuschauer schon Applaudieren und Zurufen hört. Meine Nervosität hielt sich eigentlich in Grenzen – vor dem Start überwiegte die Vorfreude und beim Lauf selbst, schaltet man eigentlich ab und konzentriert sich voll und ganz auf die Geräte und den Hund. Mein dritter Mannschaftskollege Heimo Matzik machte mit seinem Sheltie leider auch einen Fehler. Somit platzierten wir uns auf Rang 13 von 26 Teams nach dem ersten Durchgang.
Samstag kam unsere Mannschaft am Nachmittag an die Reihe. Leider lief es bei uns nicht so wie wir es uns erhofft hatten. Walter ging aufgrund eines Fehlers disqualifiziert. Ayla und ich erhielten beim Steg eine Abgangszone und auch der Slalom war mal wieder unsere Schwachstelle. Heimo lief zwar einen Null-Fehler-Lauf, aber durch das Dis kamen wir auf den 18. Rang. GESAMT erreichten wir den 14.Rang. Grundsätzlich bin ich ganz zufrieden, denn Ayla war hochmotiviert und hat ihr Bestes gegeben. Auch wenn meine Medium-Mannschaft keinen Stockerlplatz erreicht hatte, konnten wir Österreicher am Sonntag im Large-Einzelbewerb feiern. Denn die 19jährige Vorarlbergerin Lisa Frick erreichte mit ihrem Border Collie Hoss den Weltmeistertitel und Rang 3 ging an die Wienerin Susanne Novak. Dies war der erste Weltmeistertitel für Österreich seit dem Bestehen der Weltmeisterschaft!! Es war für mich eine der besten, emotionalsten Ereignisse, und es ist schön, wenn man nach 10 Jahren Turniererfahrung das größte Ziel mit der Teilnahme einer Weltmeisterschaft erreicht hat. Vielleicht habe ich auch durch meinen Start mit Ayla einen kleinen Beitrag geleistet, den österreichischen Pinscher auch im Agilitybereich international bekannter zu machen.
|